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STAGE | COSTUME

6.0 Eis. Kunst. Traum.

Ein Theaterabend über den Eiskunstlauf von Magda Decker

​Bühne und Kostüme: Sara M.T. Richter-Höhlich

Dramaturgische Unterstützung: Kathrin Brune

Es spielen: Magda Decker & Vera-Cosima Gutmann

Live-Musik: Tobias Brunn

​​Eine Kooperation zwischen dem Jutta Müller  Eissportzentrum Chemnitz und den Theatern Chemnitz.

Film: Josefin Kuschela

Thematisch steht das Bühnenbild in unmittelbarer Auseinandersetzung mit dem von Magda Decker geschriebenen Theaterstückes „6.0 EIS. KUNST. TRAUM.“. Die Arbeit mit modularen und minimalistischen Formen steht als Referenz und als Möglichkeit assoziative Darstellungen zu formulieren. Dabei spielen die Materialentscheidungen eine elementare Rolle und sind Sinnesträger und übergeordnete Wahrnehmungsdarstellungen, genauso wie sie als ein Spiel mit Vorurteilen und Klischees im Eiskunstlauf fungieren.

Die runde Bühnenfläche, ein rosa farbiger Kurzhaarteppich von sieben m Durchmesser, ist mit dem im Halbkreis angeordneten Publikum auf einer Ebene. Einen symbolischen Höhenunterschied stellt einzig die mit Spiegelfolie verkleidete 30 cm hohe und 100 cm breite Drehbühne im Zentrum dar. Worauf, in der ersten Spielzeit, ein ebenfalls reflektierendes, bewegliches Streben-Objekt als eine collagenartige Mauer vielschichtig und assoziativ anspricht. Dieses wird, in der zweiten Spielhälfte, mit einem liegenden trapezförmigen 200 cm hohen Rahmen getauscht und durch zwei weitere Rahmen-Elemente individuell bespielt. Die drei Rahmen sind ineinander positionierbar, zwei sind mit Spiegelfolie verkleidet und der Dritte und Kleinste ist mit neon-pinken Langhaarkunstfell bezogen.

Eine modulare Abgrenzung stellt die in vier Sektionen angeordnete Spiegelflächen-Bande dar, die aus einzelnen kleinen Spiegeltäfelchen (ca. 30 x 20 cm) besteht. Diese reflektieren zum einen in die Richtung der Bühne und gleichzeitige in den Zuschauer*innenbereich, wodurch zum einen die Funktionsweise einer Bande hinterfragt wird und zum anderen wird es durch die funktionale und assoziative Objektentscheidung möglich, dass diese spiegelnden Banden-Elemente zu einem späteren Zeitpunkt als das thematische Element der Stasi-Akten funktionieren.

Immerwährend werden Grenzen mit Hilfe des Bühnenbildes untersucht, da die Zuschauenden bis zu einem gewissen Teil involviert und die persönlichen Bedürfnisse hautnah erfahrbar gemacht werden.

Die Kostüme sind eine zeitgenössische Auseinandersetzung mit traditionellen Trainings- und Auftrittsoutfits aus dem Eissport und stehen mit allen Material-, Form- und Farbentscheidungen als eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Drehbuch, dem Schauspiel und dem Bühnenbild. Aspekte aus der Vergangenheit treten in einen deutlichen Bezug zu heutigen Betrachtungsebenen von Körper, Kleidung und Selbstdarstellung und werden mit den Kostümen kritisch und ironisch hinterfragt.

Die Herausforderung, als Künstlerin ein Bühnenbild anzufertigen, ist eine installative Darstellungsmöglichkeit mit der Grundlage der Bespielbarkeit zu generieren. Der Raum, die abgetaute Trainingshalle des Jutta Müller Eissportzentrums Chemnitz, war der Ausgangspunkt für alle gestalterischen Entscheidungen. Dennoch steht es als eigenständige Konzeption und kann damit für weitere Bühnenüberlegungen zur Option werden. Durch die minimalistischen Formentscheidungen und die modularen Objekte sind die vielschichtigen künstlerischen Ebenen auch auf andere Räume übertragbar und werden prinzipiell nicht aus dem Kontext gelöst. Doch stellt der Raum der Trainingshalle eine besondere Ebene dar und schafft, allein schon mit der meist einmaligen Situation auf einer abgetauten Eiskunstlauf-Trainingsbahn sitzen zu können, eine Intimität und Wahrnehmung der besonderen Art.

Das Interview zur Premiere:

 

Calle - Das Kulturmagazin bei Radio T vom 27.04.2025 mit Jörg Braune.

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Es sprechen:

Magda Decker
Vera-Cosima Gutmann

Sara M.T. Richter-Höhlich

Interview 6.0 Eis.Kunst.Traum

Zwischen Bild, Bewegung und Begegnung

Meine künstlerische Arbeit bewegt sich zwischen Malerei, Zeichnung, Grafik, Installation, Objekt, Skulptur und Performance. Dabei interessiert mich weniger die Festlegung auf ein bestimmtes Medium als die Frage, welche Form eine Idee, eine Wahrnehmung oder ein Prozess annehmen kann.

Im Mittelpunkt meiner Arbeit zeigen Farbe, Rhythmus, Bewegung, Material und Raum. Ich begreife das Bild nicht ausschließlich als abgeschlossene Fläche, sondern als einen Ort, an dem Wahrnehmung in Bewegung geraten kann. Farbe kann dabei Raum erzeugen, Linien können Rhythmus entwickeln und Materialien können eine eigene Präsenz entfalten. Mich interessiert, was geschieht, wenn sich Bekanntes verändert und aus einem Bild etwas Räumliches, Körperliches oder Bewegtes entsteht.

Viele meiner Arbeiten entwickeln sich aus einem Zusammenspiel von Intuition und bewusster Gestaltung. Experiment und Veränderung sind dabei wichtige Bestandteile meines Arbeitsprozesses. Nicht immer steht am Anfang ein vollständig festgelegtes Ergebnis. Vielmehr entsteht ein Werk oft im Dialog mit dem Material, mit dem Raum und mit dem Prozess selbst. Dieser offene Umgang ermöglicht es mir, neue Formen zu entdecken und eine Arbeit auch während ihrer Entstehung immer wieder zu hinterfragen.

Gleichzeitig ist Begegnung ein wesentlicher Bestandteil meiner künstlerischen Praxis. In gemeinsamen Projekten mit Künstlerinnen und Künstlern, Musikerinnen und Musikern, Tänzerinnen und Tänzern oder im Kontext von Theater und Performance entstehen Situationen, in denen unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen. Der künstlerische Prozess wird dadurch zu einem Dialog. Mich interessiert, was entstehen kann, wenn die Kontrolle über einen Prozess nicht ausschließlich bei einer Person liegt, sondern durch Austausch, Reaktion und gegenseitige Impulse erweitert wird.

Auch meine Beschäftigung mit unterschiedlichen Materialien und Techniken verstehe ich als Möglichkeit, Grenzen zwischen den Disziplinen durchlässig werden zu lassen. Malerei kann in eine Installation übergehen, eine Zeichnung kann Teil eines räumlichen Zusammenhangs werden, Bewegung kann zur Erweiterung eines Bildes werden. Dabei suche ich nicht nach einer möglichst großen Vielfalt um ihrer selbst willen. Vielmehr versuche ich, für jede künstlerische Fragestellung die Ausdrucksform zu finden, die ihr am besten entspricht.

Meine Arbeiten verstehen sich als offene Räume. Sie sollen nicht unbedingt eine einzige Bedeutung vorgeben oder eine eindeutige Geschichte erzählen. Vielmehr möchte ich Situationen schaffen, in denen Betrachterinnen und Betrachter eigene Wahrnehmungen, Erinnerungen und Assoziationen entwickeln können.

Ich interessiere mich für das Dazwischen: zwischen Fläche und Raum, zwischen Farbe und Bewegung, zwischen Material und Wahrnehmung, zwischen individueller Erfahrung und gemeinschaftlichem Prozess. Genau an diesen Übergängen entstehen für mich neue Möglichkeiten.

Kunst bedeutet für mich deshalb nicht nur, etwas sichtbar zu machen. Sie bedeutet auch, Wahrnehmung zu verändern, Fragen zu stellen und Räume für Begegnung zu schaffen. Meine künstlerische Arbeit bleibt dabei selbst in Bewegung – offen für neue Materialien, neue Perspektiven, neue Kooperationen und für das, was sich im Prozess noch entwickeln kann.

Copyright © 2026 Sara M T Richter-Höhlich
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